Archiv der Kategorie: Lebewesen

Hufeisen

„In der Nähe unseres Ferienhauses in Tisvilde wohnt ein Mann, der hat über der Eingangstür seines Hauses ein Hufeisen angebracht, das nach einem alten Volksglauben Glück bringen soll. Als ein Bekannter ihn fragte: ‹Aber bist du denn so abergläubisch? Glaubst du wirklich, dass das Hufeisen dir Glück bringt?›, antwortete er: ‹Natürlich nicht; aber man sagt doch, dass es auch dann hilft, wenn man nicht daran glaubt.“

Werner Heisenberg via Nils Bohr

Glückliche Kritiker

„Das Vertrauen zum Leben ist dahin: das Leben selbst wurde zum Problem. — Möge man ja nicht glauben, dass Einer damit nothwendig zum Düsterling geworden sei! Selbst die Liebe zum Leben ist noch möglich, — nur liebt man anders. Es ist die Liebe zu einem Weibe, das uns Zweifel macht… Der Reiz alles Problematischen, die Freude am X ist aber bei solchen geistigeren, vergeistigteren Menschen zu gross, als dass diese Freude nicht immer wieder wie eine helle Gluth über alle Noth des Problematischen, über alle Gefahr der Unsicherheit, selbst über die Eifersucht des Liebenden zusammenschlüge. Wir kennen ein neues Glück…“

Friedrich Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft

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The Big Eye

„The earthlings behaved at all times as though there were a big eye in the sky. As though that big eye was ravenous for entertainment. The big eye was a great glutton for big theater. The big eye was indifferent as to whether the shows were comedy, tragedy, farce, satire, athletics or vaudeville. It’s demand, which earthlings apparently found as irresistible as gravity, was that the shows be great.“

Kurt Vonnegut, 1959. The Sirens of Titan.

Slavoj Žižek: The Reality of the Virtual

Eine Vorlesung des Philosophen Slavoj Žižek aus dem Jahr 2003. Er führt seine Interpretation von „Virtualität“ und „Realität“ aus und geht ausführlich auf den Lacanschen Dreischritt des Imaginären-Realen-Symbolischen ein. Žižek tritt für einen „rein formalen Materialismus“ ein, der von einer  ursprünglichen Differenz  ausgeht. Damit ist kein erstes Gegensatzpaar gemeint, sondern ein grundsätzlicher Moment der Asymmetrie, der Selbst-Differenz zweier Zustände, aus denen dann die historische Vielheit entspringt.

Klingt ziemlich abstrakt und das ist es auch. Ich frage mich, ob er sich an einer Beschreibung des Wesens der Zeit versucht, ohne den Begriff zu benutzen? So verstehe ich es jedenfalls. Sobald es zwei unterschiedliche Zustände gibt – erst war es so, dann so – läuft die Zeit. Wenn sie irgendwann angefangen hat (Urknall etc.), müsste das bedeuten, dass es „vorher“ eben keine Unterschiede gab. So gesehen, hat die Welt irgendwie mit einem ersten Unterschied -der Zeit- begonnen.

 

Dreams of Amputation

„It is not a narrative of decline or of progress, although having the two sides was no small comfort to most. If it is to be viewed as a tale of our ascendance, then it should be compared to the enchanted climb of the cordyceps-infested ant, as alone in the canopy we sit, our bodies little more than roots to a deranging idea still in hibernation. The bony growth will one day erupt through my skin and discharge its poisonous spores aloft with me attached to them; I will ride my way out of here on the back of a toxin puff, each of its spores wearing my smile forever. “

Gary J. Shipley, 2013. Dreams Of Amputation. (20)