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Bertrand Russell

Ich höre zur Zeit „A History of Western Philosophy“ von Bertrand Russell, eine Mischung aus Sozialgeschichte und Philosophiegeschichte mit erfrischend klaren Stellungnahmen eines Autors, der sich keine Mühe gibt unparteiisch zu sein. Sicherlich ist er dabei sehr selektiv und hoffnunglos eurozentrisch, aber seine analytische Klarheit und harschen Polemiken machen das mehr als wett. Meine Lieblingsbeispiele sind seine Diskussion der Logik von Aristoteles und sein imaginärer Dialog zwischen Nietzsche und Buddha.

Familie

…während die blinde alte Dame die überlieferten Familiengeschichten erzählte, finstere Begebenheiten, in denen es um Scheidung ging, um Konkurse, Dürrezeiten, Freundestäuschungen, Kindersterblichkeit, Brustkrankheiten, in der Blüte ihres Lebens dahingeraffte Männer, fehlgeschlagene Hoffnungen, verlorene Schönheit, unanständig dick gewordene Frauen, Schmuggelgeschäfte, opiumrauchende Dichter, schmachtende Jungfrauen, Verfluchungen, Typhus, Banditen, Homosexualität, Sterilität, Frigidität, Vergewaltigung, die hohen Lebensmittelpreise, Glücksspieler, Trunkenbolde, um Mörder, um Selbstmorde und um Gott.

Salman Rushdie, Scham und Schande