Archiv der Kategorie: Macht

New Economic Archaelogoy

Michael Hudson schreibt über die „neue Wirtschaftsarchäologie„, in der die Ursprünge von Geld und Schulden neu untersucht werden, und den Einfluss, den das Werk von Karl Polanyi und seine Schüler auf sie haben. Diese historische Forschung setzt er immer wieder in Bezug auf die gegenwärtigen Verhältnisse.

In view of the problems that debt has caused through the ages, the analysis of how societies have regulated credit and debt should be at the very center of our understanding of money.

LatourCorona

Ein Text von Bruno Latour zum gegenwärtigen Lockdown. Für ihn ist die zentrale Frage, wie zu verhindern ist, dass die zerstörerischen Verhältnisse von vor der Krise wiederhergestellt oder sogar noch verschärft werden. Die Leser werden eingeladen, einen Fragebogen dazu auszufüllen und einzureichen. Ich schätze an Latour, dass er anspruchsvolle Theorien entwirft, sie kreativ verarbeitet und dabei nicht zu obskur wird.

Interessentradition

Es könnte durchaus als allgemeines soziologisches Prinzip gelten, daß das, was zu einem bestimmten Zeitpunkt für traditionell gehalten wird, meist neueren Ursprungs ist, als sich die Leute vorstellen, und vorwiegend die konservativen Instinkte mancher Gruppen darstellt, denen das Absinken ihres sozialen Standes droht. Tatsächlich scheint nichts so schnell zu entstehen und sich zu entwickeln wie eine >>Tradition<<, wenn sich Bedarf dafür einstellt.

Immanuel Wallerstein

Neue Klassen

Ein Interview mit dem Soziologen Andreas Reckwitz über seine Beschreibung der sozialen Verhältnisse in Deutschland. Ich finde seine Analyse gelungen, obwohl ich denke, dass der Begriff der „Klasse“ eine sehr lange Geschichte hat und nicht glücklich gewählt ist. Wird von Klassen gesprochen, sollte auch ein Klassenbewusstsein und ein Konflikt zwischen den Klassen eine Rolle spielen. Der zentrale Konflikt des von Reckwitz gezeichneten Porträts findet jedoch zwischen „neuer“ und „alter“ Mittelklasse statt.

Was mir bei seiner Kategorisierung ebenfalls fehlt, ist die Einbettung der gesellschaftlichen Verhältnisse hierzulande in ein größeres Weltsystem der Arbeitsteilung – es wird immer noch auf Feldern und Fabriken gearbeitet, nur eben anderswo oder von Menschen, die dieses Bild nicht berücksichtigt. So fehlen die Notwendigkeiten, ohne die die bestehenden Verhältnisse gar nicht möglich wären.